Dokumentartheater

Historikerlabor

Am 20. Januar 2012 jährte sich der Tag der Berliner Wannsee-Konferenz zum 70.-mal. Anhand des Protokolls haben sich Historiker wissenschaftlich mit den Biografien der Teilnehmer und deren Aussagen beschäftigt, die den Tod von elf Millionen Juden besiegelten. Daraus entstand ein Dokumentar-Theater-Projekt, das in der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz uraufgeführt wurde. Es war Ausgangspunkt für eine Trilogie „Die Erfindung und Vernichtung des Untermenschen“. Mittlerweile wurde im Mai 2014 die Hungerplan Konferenz und im Januar 2015 die Aufarbeitung der Endlösung der Zigeunerfrage uraufgeführt.

Die Arbeit der Historiker bestimmt der Gleichklang von Kunst und Wissenschaft. Die biografische Forschung ist Ausgangspunkt der Beschäftigung mit den Themen. Logisch daran anknüpfend ist der Aufbau der Theaterstücke: an den Konferenztischen sitzen Menschen – in ihrer Funktion als Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt oder als Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD. Zunächst forscht je ein Historiker über eine historische Figur. In einer mehrwöchigen Arbeits- und Probephase wird dann eine gemeinsame, multiperspektivische Textfassung entwickelt. Die Historiker schlüpfen selbst in die Rollen der von ihnen beforschten historischen Figuren. So hat das Historikerlabor eine innovative Form geschaffen, sich Vergangenheit zu vergegenwärtigen. Die Erinnerungskultur wird somit zu einer lebendigen Auseinandersetzung mit der Geschichte, vor den Augen eines Publikums. Mehr

Keep me in mind

Seit dem Jahr 2013 unterstützt die Stiftung die dokumentarische Performance „Keep me in mind“ von der Regisseurin Christina Friedrich. Sie sammelte in Haifa Geschichten von Überlebenden der Shoa, die im September 2013 zum ersten Mal - außerhalb Israels - in Berlin in der Neuen Synagoge– Centrum Judaicum präsentiert wurden. Durch die Vermittlung und Weitergabe von Zeichnungen, Fotografien und Habseligkeiten werden die Lebenszeugnisse dieser europäischen Flüchtlinge berühr- und erlebbar gemacht. Sie gehen somit in den Erzählkanon eines kollektiven Bewusstseins ein. Nach Berlin wurden die Erzählungen bereits in Vilnius, Montreal, Marseille und Warschau weitergetragen. Als weitere Stationen sind auch Antwerpen und Istanbul geplant.

Es läuft einem schon ein Schauer über den Rücken, wenn man an diesem historischen Ort in diesem Raum sitzt und einem Mann zuhört, der dem Gruppenführer Heydrich auch noch ein wenig ähnelt und diesen mit einer gewissen Kühle wie Schärfe tatsächlich ergreifend „authentisch“ darstellt. Das ist ziemlich umwerfend.....

Helmut Kuhn, Jüdische Allgemeine

© Philipp von Breitenbach

Aktuelles

Das Historikerlabor wird im November 2017 im historischen Hörsaal der Psychiatrischen und Nervenklinik der Charité das Dokumentar Theater „Medizin ohne Menschlichkeit – eine Arbeitstagung der „Beratenden Ärzte“, Berlin 1943“ uraufführen.